Fronleichnam – Und wenn man die Blumen

von erinnye

WENN man die Blumen auf den Feldern ließe und auf den Wiesen, wo Glockenblumen, Salbei und das blasslila Schaumkraut in den Himmel schauen, in allen lebenden Farben, und nicht in Körbe raffte, nur die Köpfe abreißend, denn die harten Stängel werden nicht gebraucht und auch nicht das Unscheinbar der Grünblättchen; in den Sammelgefäßen erschöpft sich Bunt; schon absterbend zu plumpen Blumenteppichen gelegt am Randsaum der Prozession: vor Grauhäuser, Verkehrsampeln und Kellerfenster oder auf moderatmende Lichtschächte, neben schreiende Geranienkübel und zur Höheren Ehre speiende Begoniennäpfe; die harthäutigen Asphaltgesichter der Madonnen mit den Blütenblättern rosafeister Gartenpfingstrosen nur ungeschickt verschminkt, und in den Augen picken knopfschwarz die Kerne der Sonnenbraut, Tauben flattern in Margeritenweiß und kommen nicht vom Boden, Lämmer verbluten welken Mohn;

was danach noch übrig ist stopft man in Kinderkörbchen und drückt die Henkel in unkundige Hände, auf dass über der Prozession Blüten fliegen oder lose Blätter, aber kraftlos gestreut fällt alles zu Boden vor das Murmeln und Kratzen der Füße von Monstranzträgern mit ihren konsekrierten Rundbroten, und in der Folge von den eingetakteten Nachbetern aufs Teer gequetscht und verrieben; aus der Ferne raunt noch die Prozession, während  auf dem Asphalt ausgelaugte Blattrippen kriechen neben kaum wahrnehmbaren Abdrücken in Blau und Blasslila und Grün;

wenn man die Blumen auf den Wiesen gelassen hätte, ja, dann hätte man sie wohl nicht gesehen.

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